Donnerstag, 1. Oktober 2026

Oliver Flesch - „AfD-Wähler ruinieren Zukunft ihrer Kinder“ – Kerkeling bei Parteiverbotsanhörung in Thüringen

Kerkeling zum Parteiverbot – „AfD-Wähler ruinieren Zukunft ihrer Kinder“

Erfurt – Emotionaler Promi-Appell bei der ersten Anhörung zu einem möglichen AfD-Verbot in einem deutschen Parlament. Der Entertainer Hape Kerkeling (61) erzählte am Mittwochabend vor über hundert Besuchern im Thüringer Landtag aus seiner Familiengeschichte. Mit eindringlicher Stimme forderte er die Höcke-Fraktion auf, sich von der Verharmlosung der Nazi-Verbrechen zu distanzieren.

Kerkeling kam auf Einladung der Linkspartei. Das gemeinsame Ziel: Druck machen auf die Thüringer Landesregierung und den Bundesrat, ein Verbotsverfahren beim Bundesverfassungsgericht zu starten. Auch Thüringens SPD-Innenminister Georg Maier (59) ist dafür und verriet am Rande der insgesamt zehnstündigen Debatte: „Im Bundesrat sortieren sich gerade Mehrheiten in Richtung eines möglichen Antrags auf ein AfD‑Verbotsverfahren.“ Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe könne noch in diesem Jahr kommen. „So weit waren wir noch nie.“

„Das Grundgesetz ist antifaschistisch!“

Kerkeling warnte vor Geschichtsvergessenheit. Sein Großvater Hermann verteilte einen Tag nach der Machtergreifung Hitlers Flugblätter, saß wegen seines Widerstands gegen die Nationalsozialisten insgesamt zwölf Jahre in Haft – darunter drei Jahre im KZ Buchenwald. Kerkeling: „Dieses Land hat am eigenen Leib erfahren, wie eine Demokratie sich selbst abschafft, wenn genügend Menschen wegschauen.“

Besonders deutlich wandte sich der Entertainer an die Wähler der AfD: „Wer Rechtspopulisten wählt, wählt nicht Protest. Er ruiniert wissentlich seine eigene Zukunft und die seiner Kinder.“ Kerkelings Urteil zur Partei: „Allein ihre beschönigende Haltung gegenüber der NS-Diktatur macht sie verfassungswidrig. Angst, Lügen und Hass waren Zutaten der nationalsozialistischen Ideologie und sie sind es heute für die Marschrichtung dieser rechtsextremen Partei.“ Kerkeling betonte, er habe große Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht der AfD keinen „Persilschein“ ausstellen werde.

Die Verharmlosung des Dritten Reiches disqualifiziere für Staatsämter und deshalb disqualifiziere sie auch für jede Mitwirkung in der Demokratie. Kerkeling flehte die Abgeordneten regelrecht an: „Ich bitte Sie, nutzen Sie Ihre Stimme, den Einfluss der Landesregierung im Bundesrat, um dieses wichtige Verfahren endlich anzustoßen. Das Grundgesetz ist antifaschistisch.“

Kerkeling erinnerte an die besondere historische Verantwortung Thüringens. „In diesem Land trat 1930 der erste NSDAP-Innenminister eines deutschen Bundeslandes sein Amt an – lange vor 1933“, sagte er. Nur wenige Kilometer vom Landtag entfernt liege das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald.

AUS BILD 

 

Oliver Flesch

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