Dieses Video nimmt euch mit auf eine visuelle Reise durch ein Ägypten, das es heute nicht mehr gibt – eine Reise von Philae bei Assuan über Esna, Edfu, Luxor, Abydos und Theben bis hinauf zu den Pyramiden von Gizeh.
Alle Bilder stammen aus der legendären Description de l’Égypte (1812), dem monumentalen Werk der französischen Expedition unter Napoleon Bonaparte.
Was ist die Description de l’Égypte?
Als Napoleon 1798 nach Ägypten aufbrach, brachte er über 150 Wissenschaftler, Ingenieure, Naturforscher, Zeichner und Kartografen mit. Ihre Aufgabe: das Land zum ersten Mal in der Geschichte systematisch zu dokumentieren.
Die Kupferstiche in diesem Video sind echte Momentaufnahmen aus dem Ägypten um 1800 – vierzig Jahre bevor die Fotografie überhaupt erfunden wurde.
Die französischen Künstler arbeiteten auf einem unglaublichen Niveau:
erst entstanden extrem detaillierte Skizzen vor Ort, später wurden sie in Paris von Meistergraveuren in Kupferplatten gestochen.
Jedes dieser Bilder ist ein handwerkliches Meisterwerk und zugleich ein historisches Dokument.
Viele Zuschauer fragen sich, wie die Pyramiden von Gizeh und die große Sphinx zu dieser Zeit aussahen – und genau das zeigen diese Kupferstiche: Gizeh im frühen 19. Jahrhundert, noch vor moderner Restaurierung, Ausgrabung und Zerstörung.
Auch der Tempel von Edfu, einer der am besten erhaltenen Tempel Ägyptens, ist hier in einem Zustand dokumentiert, wie ihn Napoleon und seine Gelehrten tatsächlich sahen – frei von modernen Eingriffen und nahezu unberührt.
Gleiches gilt für Karnak und Luxor: die berühmten Säulenhallen, Obelisken und Pylone erscheinen auf diesen Stichen klarer und vollständiger als in vielen heutigen Fotos.
Warum sieht Ägypten heute so anders aus?
Diese Kupferstiche zeigen Tempel und Monumente in einem Zustand, der heute unvorstellbar ist.
Viele der Strukturen, Reliefs und heiligen Stätten wurden in den folgenden 200 Jahren zerstört:
Kurz nach der Expedition, ab ca. 1820, erreichte der Wahhabismus Ägypten – eine strengere, bilderfeindliche Strömung innerhalb des Islam. Darstellungen von Göttern, Figuren, Statuen und Tempeln galten plötzlich als haram.
Gesichter wurden abgeschlagen, Reliefs unkenntlich gemacht, ganze Tempelbereiche zerstört.
Des Weiteren wurden über Jahrzehnte Blöcke aus Tempeln entfernt und für Häuser, Mauern, Stallungen und Moscheen verwendet, und im 19. Jahrhundert entfernten europäische Ägyptologen und Museumsagenten systematisch Reliefs, Säulen und Statuen, die später in London, Paris, Berlin oder New York landeten.
Die Museen kauften gnadenlos.
Bis heute verschwinden Objekte aus Tempeln und Gräbern im illegalen Handel. Viele Artefakte befinden sich in privaten Villen und Sammlungen – für die Öffentlichkeit für immer verloren.
Doch zerstört wurde nicht nur Stein.
Die Kupferstiche zeigen, dass um 1800 viele Tempel noch aktiv genutzt wurden.
Diese spirituelle Vielfalt verschwand vollständig im Zuge der religiösen Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts.
Die Reise dieses Videos
Dieses Video folgt exakt der Struktur der fünf napoleonischen Bildbände – von Süden nach Norden:
Philae → Assuan → Esna → Edfu → Luxor → Abydos → Theben → Gizeh → Kairo
Ihr erlebt eine Zeitreise entlang des Nils – aus einer Welt, die nur wenige Jahre später für immer verschwand.